Nachbericht „Wir spielen Kabelverstecken“

Duschl Ingenieure – Vortragsreihe – Nachbericht

Ergänzung technischer Anlagen im denkmalgeschützten Umfeld

Referenten:
Hayo Ross – RSP GmbH
Andreas Graf – Duschl Ingenieure

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto v.l.n.r. Hayo Ross – RSP GmbH, Andreas Graf – Duschl Ingenieure

„Ergänzung von technischen Anlagen“ –  was bedeutet das eigentlich. Dies zeigten uns die beiden Referenten Andreas Graf und Hayo Ross mit ihren sehr anschaulichen und unterhaltsamen Vorträgen.

Andreas Graf nahm uns mit in die Residenz in München und zeigte anhand verschiedener Beispiele, dass Bauen in denkmalgeschützten Gebäuden viel Geduld, Einfühlungsvermögen sowie Kreativität erfordert und dass eine gute Portion Humor immer hilfreich ist.

Was erwartet das denkmalgeschützte Gebäude von einem Planer?
Bei einem Neubau können wir das Gebäude (fast) jederzeit den Belangen der Technik anpassen. Bei der Sanierung eines Gebäudes ohne Denkmalschutz, haben wir immer noch die Möglichkeit in einem gewissen Umfang Anpassungen des Gebäudes an die Technik vorzunehmen.
Ein denkmalgeschütztes Gebäude hingegen ist unveränderlich und gibt alles vor. Hier hat sich die Technik vollständig dem Gebäude unterzuordnen. Hinzu kommt oft eine deutlich höhere Anzahl von Nutzern, denn auch die Ausstattung eines Gebäudes steht häufig unter „Denkmalschutz“. Dazu zählen Textilien, Gemälde, Türen, Möbel, Böden, usw., die jeweils von eigenen Abteilungen betreut werden. Es ist somit nicht alleine das Gebäude, sondern auch die Abstimmung und Einbeziehung vieler verschiedener Personen die berücksichtigt werden muss.

Für das Gelingen eines Projektes in einem denkmalgeschützten Gebäude ist es unerlässlich, dass Planung und Ausführung während des gesamten Änderungs- und Einbauprozesses Hand in Hand arbeiten. Häufig trifft man Entscheidungen in der Planungsphase und beginnt mit der Ausführung. Dann stellt sich heraus, dass die vorgefundenen Gegebenheiten des Gebäudes die Planung so nicht zulassen und sich völlig anders darstellen als angenommen. Dann muss in die Planung zurückkehrt werden. Man geht häufig zwei Schritte vor, einen Schritt zurück, zwei Schritte vor, usw.  Dieses Vorgehen unterscheidet sich deutlich von einem Neubau, bei dem, im besten Fall, alle Projektphasen nacheinander „abgearbeitet“ und abgeschlossen werden können.

Die aktuellen Vorschriften und technischen Standards geben die erforderlichen Installationen vor, das vorhandene Bauwerk allerdings die Möglichkeiten der Umsetzung.
Kreativität und Einfühlungsvermögen sind  besonders bei sichtbaren technischen Einbauten erforderlich, wie z.B. bei Lautsprechern. Oft ist umfangreiche Recherche notwendig, um optisch passende Geräte zu finden, die sich zurückhaltend in die Umgebung einordnen. Für die Beleuchtung eines Ganges mit stuckverziertem Rundgewölbe, hat es in der Residenz z.B. vier Abstimmungstermine mit diversen Vorschlägen für Leuchten gegeben, bis am Schluss alle Beteiligten mit dem Ergebnis einverstanden waren.

Als zweiter Referent zeigte uns Hayo Ross was es bedeutet, wenn neue technische Anforderungen an historische Bauteile gestellt werden. Er zeigte ebenfalls ein Beispiel aus der Residenz in München.

Die heutigen Brandschutzanforderungen machen immer wieder Einbauten notwendig. So auch in historischen Türen, wenn diese in Fluchtwegen liegen oder Brandabschnitte begrenzen. Bei den Einbauten handelt es sich z.B. um Obentürschließer, Schließfolgeregler, Magnetkontakte, Panikschlösser, usw. Eine technische Schwierigkeit ergibt sich hierbei aus den Maßen der Türen. Diese sind in ihrem Querschnitt meist deutlich schmaler als heutige Türen und bieten somit kaum „Raum“. Trotzdem sollen die Einbauten natürlich „unsichtbar“ sein.
Womit wir bei der zweiten Schwierigkeit sind. Wie „verstecke“ ich diese Einbauten?
Denn nicht nur die Tür bietet oft wenig „Raum“, auch die Verkleidungen um die Türen herum sind meist historisch wertvoll und können nicht einfach herausgenommen, verändert oder verdeckt werden. Viel Einfühlungsvermögen und Kreativität ist gefordert, damit die Tür hinterher möglichst genauso aussieht wie vorher.
Zudem wurden diese Türen bisher von Hand bedient und es stellt sich die Frage, ob die Bänder der Türen eine Schließfolgeregelung überhaupt aushalten würden, die deutlich „unsanfter“ ist als die Bedienung der Tür mit der Hand.

Anhand eines weiteren Beispiels wurde gezeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit aller Beteiligten ist.
Für die Sanierung und Umnutzung eines Saales wurde die Holzverkleidung vollständig abgenommen. Leider wurden im Anschluss von anderen Gewerken, ohne Rücksicht auf die Belange der Holzverkleidung, die Wände aufgestemmt, Kabel verlegt, Lüftung eingebaut und vieles mehr. Das Ergebnis war, dass keiner der ursprünglichen Befestigungspunkte mehr für die genaue Ausrichtung vorhanden war, und vor allem, dass der Raum immer kleiner wurde. Die Folge war, dass jedes einzelne Paneel neu angepasst werden musste und somit der Wiedereinbau extrem aufwändig und natürlich deutlich teurer wurde als geplant.
Würde von Beginn an eine engere Zusammenarbeit und Abstimmung aller Beteiligten stattfinden, könnten sicherlich manche Schwierigkeiten vermieden und ein Bewusstsein für die Belange der anderen Gewerke geschaffen werden.

Beide Referenten haben uns mit ihren spannenden Vorträgen Einblicke in ein ganz spezielles Thema des Bauens gewährt.
Bauen in denkmalgeschützten Gebäuden: eine echte Herausforderung, dessen hoher Aufwand bei den erzielten Ergebnissen auf alle Fälle lohnt.

Nächster Termin unserer Vortragsreihe: 04.07.2019
Vom Spitzensport lernen – Impulse für persönliche und unternehmerische Bestleistungen
Referentin: Antje Heimsoeth – Int. Keynote-Speakerin, Vorträge, Seminare, Coachings