Nachhaltigkeit als Wirtschaftsprinzip

Duschl Ingenieure – Vortragsreihe – Nachbericht

Nachhaltigkeit als Wirtschaftsprinzip

Referent: Philipp Freiherr zu Guttenberg, AGDW Die Waldeigentümer


Foto von links nach rechts Philipp Freiherr zu Guttenberg und Andreas Duschl

Philipp Freiherr zu Guttenberg, unter anderem Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V., sprach im Rahmen der Vortragsreihe der Duschl Ingenieure vor ca. 40 Interessierten zum Thema Nachhaltigkeit als Wirtschaftsprinzip. Der Begriff an sich stammt aus der Waldwirtschaft.

Vor über 300 Jahren stelle man fest, dass die übersteigerte Nutzung von Wäldern in kurzer Zeit zur Vernichtung dieser Ressource führen würde. Dies führte 1713 in Sachsen zur Anweisung durch den Bergrat Hannß Carl von Carlowitz, die Wälder so zu bewirtschaften, dass langfristige Verfügbarkeit gesichert ist. Also Nachhaltigkeit im ökonomischen – und gleichzeitig ökologischen – Sinne.

Zu Guttenberg wies darauf hin, dass die Voraussetzungen für das Prinzip Nachhaltigkeit bewusst gemacht werden müssen. Es beruht auf den 3 Säulen der Ökologie, Ökonomie und dem Sozialen. Es ist aber vornehmlich ein ethischer Anspruch, der auf festen Prämissen beruht: Auf Familie, Eigentum, auf Freiheit und auf unseren Werten.

Leidenschaftlich begründete er den oft ausgeblendeten Faktor Eigentum. „Eigentum ist die ökonomische Grundlage individueller Freiheit, die sich in unserer Gesellschaft auch damit rechtfertigt, dass aus dem Leistungseigentum Gemeinwohlleistungen erwachsen. Die Vergangenheit hat bereits in vielen Fällen gezeigt, dass ein kollektives Eigentum zum Scheitern verurteilt ist. Der Grundsatz der angemessenen Sozialpflichtigkeit und dass starke Schultern mehr stemmen müssen, als Schwache, steht nicht zur Debatte. Aber alle Versuche mit Gewalt Gleichheit herzustellen endet mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner zum Nachteil aller. Nur wenn jemand einen Sinn in der langfristigen Bewirtschaftung seines Eigentums sieht, wird er dies auch nachhaltig betreiben. Hier kommt auch der Gesichtspunkt Familie ins Spiel. Was gäbe es für einen Anreiz, zur Verfügung stehende Ressourcen nicht sofort zu „verfrühstücken“, wenn nicht die Sorge um die nächste Generation, also unsere Kinder?“
Dazu wird ein starker Rechtsstaat benötigt, der jedem diese Rechte und Möglichkeiten gibt: Eigentum zu haben, dieses frei zu bewirtschaften und weiter zu geben. Dazu einen Beitrag zu leisten ist jeder selbst mitverantwortlich.

Die Forst- und Holzwirtschaft ist nach der Metall- und Automobilindustrie der größte Arbeitgeber in Europa. In Deutschland beschäftigt der Cluster Forst und Holz 1,3 Mio. Menschen in 180.000 Betrieben mit einem jährlichen Umsatz von 170 Mrd. €. Durch die Pflege und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder geht es dem deutschen Wald heute besser als je zuvor. Die deutschen Wälder sind produktiver, artenreicher und vorratsstärker.
Der Wald stiftet dabei mit Nutz-, Schutz-, und Erholungsfunktion drei unverzichtbare Grundnutzen. Diese Vielzahl an Funktionen für die gesamte Gesellschaft wird umfänglich mit multifunktionaler nachhaltiger Forstwirtschaft bedient – in der Breite der aktiv bewirtschafteten Waldflächen. Dabei wird gleichzeitig aktiver Umweltschutz betrieben. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass in bewirtschafteten Wäldern eine größere Artenvielfalt vorherrscht als in stillgelegten Flächen. Auch regionale Wertschöfpung wird betrieben. Aufgrund ideologisch motivierter Stilllegungsstrategien importiert Deutschland derzeit dennoch ohne Not aus dem außereuropäischen Ausland, anstatt unsere kompletten Flächen sinnvoll und nachhaltig zu bewirtschaften und unseren eigenen Bedarf zu decken – das Potential dazu wäre vorhanden. Der Import erfolgt aus Ländern in denen das Prinzip der Nachhaltigkeit höchstens als Begriff im Fremwörterlexikon erscheint. Statt in Deutschland, mit den weltweit strengsten Anforderungen, nachhaltig Holz zu produzieren exportieren wir dadurch, aus luxusbegründeter Ideologie, Umweltprobleme ins Ausland – mit dort verheerenden Folgen. Zusätzlich verzichten wir mit glücklichem Gewissen auf einen Umsatz von ca. 4-5 Mrd. € jährlich in unserer Wertschöpfung.

Freiherr zu Guttenberg ist aber nicht nur innerhalb Deutschlands aktiv, sondern auch in Österreich und international. Daraus ergeben sich interessante Perspektiven, z.B. dass diese oben geschilderten Tatsachen in Deutschland in der öffentlichen Diskussion nicht wahrgenommen werden. Dies begründet er durch eine „unglaublich gut organisierte und milliardenschwere Naturschutzindustrie“, in der sich großzügig mit öffentlichem Geld ausgestattete Verbände um eigenen Machterhalt bemühen und dabei Milliardenumsätze machen. In den wenigsten Fällen würde dies sinnvoll in den Naturschutz eingesetzt. Vermeintlicher Natur und Umweltschutz wird als Vehikel einer wohlgeplanten Umverteilungspolitik eingesetzt. Diese Bewertung setzte er unter anderem im Vergleich zu dem Umfeld in Österreich, wo eine kooperative Vorgehensweise von Waldbesitzern, Politik, Umweltverbänden und Bürgerschaft zu guten Lösungen und einem offenen Diskussionsklima führt.

Die rege Diskussion mit dem Referenten dauerte noch über eine Stunde an, es wurden hochinteressante Gesichtspunkte bewegt.

Nächster Termin unserer Vortragsreihe am 01.12.16

Gesundheitliche Aspekte der Energiewende

Referentin: Prof. Dr. med. Caroline Herr
Bayrisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit